Kulturelle Bildung
ein lebensbegleitender Lern- und Auseinandersetzungsprozess des Menschen mit sich, seiner Umwelt und der Gesellschaft im Medium von Künsten und Kultur. Nachdenken und Wissen der Menschen über Bedingungen und Sinn ihres Lebens drücken sich - neben der Religion - besonders deutlich, weil sinnfällig, in Künsten und Kultur aus.
Kulturelle Bildung ist deshalb integrales, notwendiges Element von Allgemeinbildung.
Kulturelle Bildung hat insoweit auch die Aufgabe, Menschen in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen, und das heißt auch: sie in ihrem sozialen kommunikativen und kreativen Fähigkeiten zu stärken. Kulturelle Bildung trägt also konstitutiv zu dem bei, was Saul B. Robinsohn, der Urvater der Curriculumtheorie, seinerzeit als oberstes Ziel jeder Bildung formuliert hat: „Ausstattung zum erfolgreichen Verhalten in der Welt“."
Karl Ermert. In: Ermert, Karl, u.a. (Hrsg.), Kunst-Griffe. Über Möglichkeiten künstlerischer Methoden in Bildungsprozessen, Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbütteler Akademietexte Bd 11, 2003 1
Selbstwertgefühl und Kompetenzen
Mit dem Begriff Kompetenzen ist die Gesamtheit der persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen gemeint, die dazu beitragen, das eigene Verhalten von einer individuellen auf eine gemeinschaftliche Handlungsorientierung hin auszurichten. Soziale und personelle Kompetenzen begünstigen also ein Verhalten, das die individuellen Handlungsziele von Personen mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe verknüpft.
Zuvor müssen jedoch diese individuellen Handlungsziele und die diesen vorausgehenden persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen entwickelt sein, um als Kompetenzen in der sozialen Interaktion zu wirken. Wesentlich ist dabei das Selbstwertgefühl (die Selbsteinschätzung), das als eine grundlegende Voraussetzung zur Verwirklichung der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten angesehen werden kann.
Nach Maslow steht das Selbstwertgefühl nach der Befriedigung der Grundbedürfnisse wie etwa Nahrung, Sicherheit und Geborgenheit, an der Schwelle zur Selbstverwirklichung, womit Gerechtigkeit, Ordnung, Individualität, Schönheit u.s.w. gemeint sind.
Zwischen Geborgenheit, also der Zugehörigkeit zu mindestens einer Gruppe und deren Anerkennung und der Herausbildung der Persönlichkeit steht also das, was wir als Selbstwertgefühl bezeichnen.
Maslow betont: Wertschätzung durch andere geht der Selbstachtung voraus!
Kurz gefasst kann man sagen, dass abhängig davon, wie man glaubt, von anderen eingeschätzt zu werden, entweder Selbstachtung oder Minderwertigkeitsgefühle entstehen. Das sich aufbauende Selbstwertgefühl ist das Ergebnis der Summe der Erfahrungen, die eine Person in ihrer Gruppe, in ihrem Umfeld, in ihren Interaktionen gemacht hat. Und zwar im Hinblick auf die Beurteilung durch die anderen und umgekehrt auf Grund der eigenen Einschätzung sowie der Interpretation der Fremdbewertung.
Für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und personaler und sozialer Kompetenzen sind praktische Tätigkeiten, Selbsterfahrung, Selbstreflexion und das Feedback in der Gruppe wichtige Voraussetzungen.
Kulturelle Bildung bietet solche Erfahrungen an: Junge Menschen sehen sich mit praktischen und aktionsgeladenen Aufgaben und Problemstellungen konfrontiert, die ihr Interesse wecken
und zu deren Lösung sie sich aufgerufen fühlen.
Kulturelle Bildung gibt (jungen) Menschen die Möglichkeit, ein Ergebnis zu erzielen, auf das sie jenseits von Noten, Zeugnissen und sonstigen formalen Bewertungen stolz sein können und das in der Öffentlichkeit in aller Regel große Anerkennung findet, und zwar auch außerhalb der Familie und dem Freundeskreis.
Insgesamt fördert kulturelle Bildung Phantasie, kreatives Denken und ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Mit allen Sinnen lernen ist ein grundlegendes Prinzip - eindrücklich und ausdrücklich. Diese Faktoren stellen - auch vor dem Hintergrund moderner Lerntheorien - eine gute Voraussetzung und Grundlage für das Gelingen von Lern- und Bildungsprozessen dar.
„Wir lernen durch Erfahrung und Erleben. Niemand bringt einem anderen etwas bei. Das trifft sowohl für das Kind zu, das vom Strampeln über das Krabbeln zum Gehen kommt, als auch für den Wissenschaftler mit seinen Formeln. Wenn die Umgebung es erlaubt, kann jeder lernen, was er lernen will, und wenn das Individuum es erlaubt, wird es die Umgebung alles lehren, was sie zu lehren hat. „Begabung“ oder „Unbegabtheit“ haben damit wenig zu tun.“ Viola Spolin
Quellen:
Terri Akin, "Selbstvertrauen und soziale Kompetenz", Verlag an der Ruhr, 2000.
Hans-Jörg Bullinger, "Soft Skills überfachliche Qualifikationen für betriebliche Arbeitsprozesse", Bertelsmann Verlag Bielefeld, 2004.
Viola Spolin, "Improvisationstechniken für Pädagogik, Therapie & Theater", Junfermann Verlag Paderborn, 2002
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